Wasserburger Zeitung – Ich bin die Tochter dieser Bank!

Ich bin die Tochter dieser Bank!

Meiner Mama gehört eine Straße und nun bekommt sie auch noch ein Ruhebankerl dazu. Nicht jede Tochter kann das von ihrer Mutter behaupten. Anlässlich ihres 94. Geburtstags wurde am 15. Januar 2020 feierlich die Maria-Schell-Straße in Reitmehring eingeweiht. In dem Neubaugebiet standen damals noch keine Häuser, dafür aber prächtige Zeitzeugen: die drei Linden. Statt einer Gedenktafel wünschte ich mir vom Bürgermeister Michael Kölbl eine Bank zum Verweilen, welche im Winter nicht aufgestellt werden konnte. Ich startete eine vierzehntägige Retrospektive in vier Kinos der Region18 und dann kam Corona – Ende der Durchsage.

„Kennen Sie Maria Schell?“, frage ich den jungen Hausbesitzer, Jahrgang 1999. Er schüttelt den Kopf. „Nun, ich bin die Tochter dieser Bank!“, sage ich schmunzelnd, lasse mich darauf nieder, schaue über die bunten Felder und genieße die Baumkronen über mir, die mir den Schatten spendieren. Der „Catwalk“ davor mutiert zur Rollerbahn der Kleinkinder, sie toben und quietschen mit Gelächter.

Zeit, was ist Zeit? Und wie vergänglich auch das Leben eines Weltstars ist. Welche Hoffnungsträgerin war meine Mutter mit ihren Filmen in der Nachkriegszeit! Das Traumpaar des deutschen Films, fast ein Jahrzehnt blieb O.W. Fischer ihr Filmpartner. „Bis wir uns wiederseh’n“ war ihr erster gemeinsamer Film. Meine Mutter erzählt mir, dass während der Dreharbeiten O.W. Fischers Katze verschwand. Otto war ohne sein „Micherl“ derart verzweifelt, er konnte nicht mehr arbeiten. Nach einer gigantischen, aber erfolglosen Suchaktion – Belohnung 1000 DM – wurde zum letzten unwahrscheinlichen Mittel gegriffen: Ein Hypnotiseur versprach, die Katze zu finden und meine Mutter stellte sich als Medium zur Verfügung. Und tatsächlich konnte sie genau die Stelle „sehen“, einem Bretterverschlag, hinter dem sich die halb verhungerte Katze verbarg.

Otto weinte vor Freude und die Dreharbeiten konnten fortgesetzt werden. Ich empfand es als Kind immer als unheimlich, dass meine Mutter sich wegen einer Katze hat hypnotisieren lassen. Ich war öfters bei Otto zu Besuch. Er war ein spannender Mann, war aber im Alter der Philosophie verfallen und wenn Schauspieler zu philosophieren anfangen, kann das mehr wie anstrengend sein – für mich als Kind war es fast tödlich. Wie gut, dass er Katzen hatte, der gute O.W. Der warme Sommerwind kitzelt mich an der Nase. Ich stehe auf, stolziere wie ein Wiesenmodel auf dem Laufsteg und freue mich.

„Bis wir uns wiederseh’n“ läuft am 8. Juli um 15 Uhr im Kino Utopia. Den Retro-Preis zu 5 € Eintritt macht Kinobetreiber Rainer Gottwald als auch Filmjuwelen möglich und eine Tüte Popcorn gratis gibt’s von der Stadt Wasserburg dazu. Merci!

 

© Marie Theres Relin 2023 teilweise erschienen in der Wasserburger Zeitung am 5. Juli 2023

 

-> Bis wir uns wiederseh’n  Kino Utopia 8. Juli 2023 um 15 Uhr

-> Bankerl-Einweihung 6. Juli 2023 11 Uhr