DIE RHEINPFALZ – Tränchen-Tochter trifft Sängersohn

 

 

  Tränchen-Tochter trifft Sängersohn

Als Maria Schell 1953 nach Kaiserslautern kam, gehörte der 29-jährige Hans-Erich Halberstadt zu den Fans. Nun steht Sohn Michael mit der Schell-Tochter auf der Bühne.

Marie Theres Relin und Michael Halberstadt während einer Probe im Lauterer Salon Schmitt. Foto: Girard

Als Maria Schell 1953 nach Kaiserslautern kam, gehörte der 29-jährige Hans-Erich Halberstadt zu den Fans. Nun steht Sohn Michael mit der Schell-Tochter auf der Bühne.Marie Theres Relin ist die Tochter von Maria Schell und ihrem Kollegen Veit Relin, die von 1966 bis 1986 verheiratet waren. Sie wuchs in Heberthal bei Wasserburg am Inn auf, ging als 16-Jährige nach Parisund wurde für ihre Rolle im Fernsehfilm „Das unverhoffte Glück“ mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Zu den Partnern ihres Inklusionsprojekts „Frauen aller Kulturen“ gehört das Lauterer Union-Kino.
Über ihre geschiedene Ehe haben sie und der Dramatiker Franz Xaver Kroetz ein Buch geschrieben. Außerdem verfasste Marie Theres Relin den Erinnerungsband „Meine Schells“. Aus Anlass des 100. Geburtstags ihrer 2005 verstorbenen Mutter hat sie soeben das Buch „Yes, we Schell“ herausgebracht. Um es unters Volk zu bringen, ist sie zurzeit auf Lese-Tour durch Deutschland und Österreich. Ihr Bühnenpartner: der Lauterer Musiker Michael Halberstadt.
Buchvorstellung in der Lauterer Fruchthalle
Schon im Februar 2025 standen die beiden in Kaiserslautern gemeinsam auf der Bühne. Sie trafen auch Michaels Vater, den populären Tenor und Volkssänger Hans Erich Halberstadt. Der heute 64 Jahre alte Sohn ist hin und weg von der künstlerischen Zusammenarbeit mit Marie Theres Relin.
„Eigentlich ist das ja gar nicht mein Genre“, sagt Michael, „aber es macht tierisch Spaß, mit ihr zusammen auf der Bühne zu stehen.“ Er sei zwar „nur der Troubadix, weil es ja eigentlich um ihr Buch geht“. Dennoch habe es in ihrem Duett „einfach sofort gematcht“.
Die also Gepriesene sieht’s nicht anders. Und schwärmt: „Michael und ich haben uns gesehen und sofort funktioniert.“ Zusammengebracht wurden die beiden vom findigen Lauterer Kulturamtsleiter Christoph Dammann. „Er ist ein so wunderbarer Kulturdirektor, dass er einfach auch für anderswo geklaut werden sollte“, sagt Marie Theres Relin im RHEINPFALZ-Gespräch.
Der größte Schell-Fan ist eine Pfälzerin von der Wolga
Dass die 59-Jährige überhaupt weiß, wo die Lauter fließt, ist allerdings einem Fan zu verdanken. Die in Kaiserslautern lebende Deutschrussin Irma Winter verehrt Maria Schell seit Jahrzehnten. In der Wolga-Metropole Kasan konnte sie nur vereinzelt Filme aus dem Westen sehen. Ihre Begeisterung für Maria Schell blühte erst auf, als sie 1991 in die Bundesrepublik kam. „Ich bin von der Schauspielkunst der Künstlerfamilie Schell sehr beeindruckt“, sagt die 73-Jährige. „Auch die Bücher von und über Maria Schell habe ich gelesen.“ So knüpfte sie Kontakt zur Tochter – und bedrängt diese, doch auch mal die Westpfalz zu besuchen.
Marie Theres Relin kam im Dezember 2021 mit einer musikalischen Lesung und dem Kölner Flötenquartett Flautando. Damit war Kaiserslautern ins Tour-Programm aufgenommen. Ihr Gastspiel am 18. Januar in der Fruchthalle ist bereits der fünfte Auftritt bei uns. Zusammen mit dem Kaiserslauterer Kulturpreisträger Michael Halberstadt singt Marie Theres Relin unter anderem die sentimental-rührseligen „Tränenlieder“, die schon ihre Eltern aufgenommen haben – eine ironische Anspielung auf Maria Schells Image als schicksalsgeplagtes „Seelchen“. Im Übrigen ist das Duo Relin & Halberstadt viel unterwegs. Nach dem Auftritt im Lauterer Stadtmuseum sind unter anderem Stippvisiten in der SWR-„Landesschau“, bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, im Bayerischen und Westdeutschen Rundfunk sowie in Wien und Leipzig geplant.